El canto nómada

・ Uraufführung: 7. Oktober 1997 ・

el canto nómada: Andando se hace camino – im Gehen entsteht ein Weg

Ziehende Landschaft
Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter

„Das oben zitierte Gedicht von Hilde Domin begleitete mich wie ein Leitfaden durch meine choreografische Arbeit.“
— Brigitta Luisa Merki

Das Nomadisieren ist zur Modellsituation im Leben vieler Menschen geworden. Es gibt die freiwilligen, nach Veränderung und kultureller Beweglichkeit suchenden Wanderer und die unfreiwilligen, zum Aufbruch oder zur Flucht gezwungenen Nomaden. Die Letzteren sind extremen Grenzsituationen ausgesetzt, die ihre höchste Kraft und Lebensintensität erfordern, um ihren Weg zu gehen. Ihre beschwerliche Wanderung gilt einem Ort der Zuversicht und Unverletzlichkeit. Es ist die Idee des immer möglichen Neuanfangs, der sie wie ein Leitmotiv auf ihrem Pfad weiterführt.

‚el canto nómada‘, unser Nomadenlied, verleiht die Stimmen jenen ins Exil gezwungenen Nomaden, deren widersprüchlicher Zustand die Lyrikerin Hilde Domin, selbst Nomadin, in ihrem Gedicht ‚Ziehende Landschaft‘ zitiert.

Es ist die Stimme, die den Mut zum Weggehen und zur Veränderung ohne Verlust der eigenen Identität fordert. Ein Weitergehen, ohne den Boden unter den Füssen zu verlieren. ‚el canto nómada‘ ist eine Annäherung an die Welt derer, die unterwegs sind, dabei existenziellen Gefahren ausgesetzt sind und sich dennoch immer vorwärts bewegen.

Eine unerklärliche Kraft, ein gemeinsamer Rhythmus zwingt hier eine Gruppe von Frauen, ihren Weg ins Ungewisse unbeirrt fortzusetzen. Sie besitzen nichts Festes. Ihre Habe ist auch ihre Hülle und ihr Schutz. Nur das Notwendigste auf sich tragend, trotzen sie dem Schicksal jeden Funken Leben ab. Ihr ‚Tanz vom Heute zum Morgen‘ ist Ausdruck intensivster Wahrnehmung des Augenblickes und Überwindung der Lebensangst.

Eine Lebensqualität, die dem Flamenco in seiner Ursprünglichkeit entspricht. Der Flamenco ist in seiner Essenz ein Nomadengesang. Das Nomadenhafte als charakteristischer Wesenszug liegt in seiner Geschichte der steten Bewegung und Veränderung begründet. Der Flamenco hat Völkerwanderungen, Rassendiskriminierungen und Kriege überlebt und Fremdes und Neues assimiliert.

Musik
Tonaufnahmen
Aufnahmeleitung / Perkussion
Flamenco Gesang
Vokalquartett Asonancia
Klavier
Tanz
Gesang (live)
Reyes Martin
Gitarre (live)
El Niño de la Leo
Bühnenrealisation
Werkstatt
Thomas Küng
Malerei
Kostüme
Licht
Thomas Küng
Choreografieassistenz / Training
Fotos
Grafik
Künstlerische Leitung
Administration
28.02.1998
Badische Zeitung
"El canto nómada", nach einer wunderschönen Komposition des innovativen Komponisten und Ballettschöpfers Antonio Robledo (...) und die grossen Stimmen, wie jene der Flamencosängerin, Carmen Linares, von der sich die aufwühlenden Choreographie der künstlerischen Leiterin Brigitta Luisa Merki tragen lässt. Merki und Robledo haben dem wandernden Volk ein theatralisches Merkmal gesetzt.
17.12.1997
Neue Zürcher Zeitung
"El canto nómada": Hier hat Robledo aus der Atmosphäre des Flamenco ganz neue Klang- und Formmöglichkeiten kreiert, die immer reiner, tragender Ausdruck sind. (...) Merki erweitert, wie der Komponist, die Ausdrucksmöglichkeiten, Elemente des expressiven Ausdruckstanzes bereichern das Vokabular, sind klug und situations-entsprechend eingesetzt.
Neue Luzerner Zeitung
Welch eine Kraft, was für Gesichter, was für Frauen!
Morgenpost am Sonntag, Dresden
Wer hätte das zu hoffen gewagt? Sechs Frauen auf der endlos weiten Bühne vom Kulturpalast, allerdings charaktervolle Flamenco-Tänzerinnen mit Präsenz, Kraft, und tatsächlich gelingt es den Teufelinnen, über alle räumlichen und möglicherweise auch Erwartungs-Distanzen hinweg mehr als 2000 Zuschauer in den Bann zu ziehen. (...) das ist eigentlich wahre Kunst: auf jeder Bühne überzeugen zu können, egal, wie gross oder wie klein sie ist. (...) und zum Schluss (...) besonderer Beifall für Brigitta Luisa Merki, Tänzerin und Choreographin.
07.10.1997
Uraufführung
CH
Baden
18.10.1997
CH
Baden
19.10.1997
CH
Baden
21.10.1997
CH
Aarau
Saalbau
22.10.1997
CH
Aarau
Saalbau

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Tanzcompagnie
Flamencos en route
Postfach 224
CH-5401 Baden