„Gritos“ sind Schreie. Hier sind es Klageschreie, Gesänge, Klänge und Tänze von Frauen. Sie sind inspiriert von den „Plañideras“, den heute kaum noch existierenden spanischen Klagefrauen, die sich für das Trauern und Leiden einer festgelegten, ritualartigen Ausdrucksform bedienen.
Das Faszinierende an der mediterranen Trauer ist, dass ihre Stimme im Moment der höchsten Verzweiflung nicht versagt, sondern an Kraft und Volumen gewinnt. Die Trauernden sind den vibrierenden Klängen des Klageschreis ausgesetzt und der Schmerz wird zu einem öffentlichen Ritual.
Auch die Klagemauer hat diesen öffentlichen Charakter, sie nimmt aber auch all die ganz persönlichen Wünsche und die leisesten und tiefsten Seufzer auf, die ihr anvertraut werden.
Auf eine ganz eigene Art werden in dieser Kreation Gedichte, Frauengesänge und Flamencorhythmen zu einer Klage verwoben. Eine Schauspielerin, eine Sängerin und eine Tänzerin stehen an der Klagemauer und bringen ihren Schmerz zum Ausdruck, aber auch ihre Hoffnungen und Visionen, jede in ihrer Form und Eigenart.
Ihr Klagen findet zu einem Ganzen. Gemeinsam gehen sie den Weg, bis der Schmerz zu singen beginnt und sich auflöst.Oder wie ein spanisches Sprichwort sagt: „Cantando la pena, la pena se va“.