a flor de piel

Aargauer Zeitung

Grosses auf kleiner Bühne
Flamencos en route zeigt "a flor de piel" und wächst über sich selbst hinaus.
Die Frage ob die Flamencos zu ihrem 25. Geburtstag drei Jubiläumsproduktionen in unterschiedlichsten Räumen stemmen können, ist beantwortet: Sie können – mit bestechendem Resultat. Die finale Produktion "a flor de piel" (hautnah) hat Brigitta Luisa Merki für das Theater im Kornhaus massgeschneidert. Gerade weil die räumlichen Verhältnisse im ThiK nicht üppig sind, versteht sie Merki als Herausforderung. So entsteht, Jahr um Jahr, grosser Tanz auf kleiner Bühne. Das ist mit "a flor de piel" nicht anders. Halt, stimmt nicht ganz. Diesmal sind Choreografin und Ensemble über sich selbst hinausgewachsen.
Die lodernden Gefühle werden am Ende der sieben Szenen übergeführt in zarte, anrührende Gesten: das Staccato-Gewitter wirbelnder Füsse wir leiser und leiser – bis es verstummt; Tänzerinnen und Tänzer halten inne und gehen sachte von dannen: So als ob sie das Publikum in seinem Nachdenken über das soeben Gesehene nicht stören wollten. Die Szene "ein heimliches Treffen" steht beispielhaft dafür: Eine Tänzerin und ein Tänzer sitzen auf Hockern, blicken sich an und beginnen ein Zwiegespräch – mit den Füssen. Das Klopfen wird stärker, bis es jenen Punkt erreicht, wo es die beiden nicht mehr auf ihren Sitzen hält und sie ein Liebesduett tanzen.
In "Einsamkeiten" treffen sich zwei Männer. Aus ihrer vorerst zögerlichen entwickelt sich eine rasante, ob ihrer Präzision umwerfende Schrittfolge, die betont, um welche Themen die Choreografie kreist: Anziehung und Ablehnung. Ob in spektakulär mit dem Faltenwurf der Kostüme spielenden Soli oder im Ensemble-Verbund – die Flamencos, die drei Musiker und die Sängerin sind in Hochform. Ein grosser Abend im kleinen Theater.

Elisabeth Feller, Aargauer Zeitung, 04.12.2009